Mrz 312016
 

IMG_8232.JPG„Wichtig ist, wie leicht Du loslassen kannst.“

Ausgerechnet dieses Zitat schenkte mir mein letzter Yogi-Tee an meinem Arbeitsplatz, von dem ich mich letzte Woche persönlich verabschiedete und heute auch per Blogbeitrag Lebewohl sagen möchte…anfangs war das gar nicht so leicht.

Doch warum fällt es eigentlich so schwer, Abschied zu nehmen, loszulassen, weiterzuziehen…?

In unserem Leben werden wir immer wieder mit Abschieden konfrontiert. Natürlich gibt es Abschiede, auf die wir uns freuen, die wir kaum abwarten können, wie zum Beispiel der letzte Tag in der Schule…

Doch ganz oft fühlen wir uns unwohl, sind traurig oder fürchten uns vor der Zeit ohne dem Altbekannten. Selbst, wenn wir den letzten Schultag herbeigesehnt haben, kann es sein, dass wir großen Respekt vor diesem neuen Lebensabschnitt haben, der nun vor uns liegt.

Was genau ist eigentlich so angsteinflößend daran?

Es ist vor allem das Ungewisse, das Neue, das Unvorhersehbare…denn es kann ein spannendes Abenteuer sein, wir können einen perfekten Masterplan haben und doch ist jeder Schritt, den wir ab diesem Zeitpunkt gehen ein Schritt auf neuem Terrain. Wir begehen einen Weg, den wir vielleicht auf der Landkarte kennen, wir haben ein Bild davon im Kopf und vielleicht sogar auf dem Papier, wir haben eine Vorstellung wie künftig alles sein könnte, sollte, müsste und doch wissen wir erst wie es ist, wenn wir den Mut aufbringen den Schritt ins Ungewisse tatsächlich zu wagen und uns dann auf unserem neuen „Standpunkt“ umzusehen.

Manchmal wird der Abschied gar noch schwerer, wenn wir uns nicht selbst dafür entschieden haben, wenn das Leben, ein anderer Mensch, unsere Bestimmung für uns entscheidet, dass nun Zeit ist Abschied zu nehmen – von einem Menschen, einem Ort, von der eigenen Gesundheit, von etwas das uns lieb geworden ist.

Abschied nehmen heißt also: Vergangenes loslassen. Und wenn wir etwas ziehen lassen, entsteht da nicht eine Lücke in unserem Herzen? Eine Lücke, die schmerzen kann und darf?

Auch ich habe diese Woche einen für mich bedeutsamen Abschied erlebt: nach über 5 Jahren Ernährungsberatung in einem Münchner Klinikum, nach über 5 Jahren Teamwork mit wertvollen Kollegen, nach über 5 Jahren, in denen ich mit liebenswerten Patienten gemeinsam durch ihre Höhen und Tiefen gegangen bin, Pläne geschmiedet habe und Veränderung miterleben durfte, nach über 5 Jahren Regelmäßigkeit, Sicherheit und Planbarkeit habe ich Lebewohl zu diesem Lebensabschnitt gesagt.

Und so beginnt morgen, am 1.4.2016 hoch offiziell mein persönliches Abenteuer „Selbstständigkeit“! Ich freue mich riesig darauf, nun weitere Herzensprojekte anzugehen, um hoffentlich noch vielen Menschen dabei helfen zu können, mehr Zufriedenheit und Lebensfreude in ihr Leben einzuladen.

osterseen_karima_dankeAuch wenn ich mich aus eigenem Willen heraus dafür entschieden habe, bedeutet diese Veränderung dennoch wieder einmal „Abschied nehmen“ und es entsteht zunächst diese „Lücke“ in meinem Herzen. Etwas wehmütig möchte ich heute deshalb all den wertvollen Menschen DANKE sagen, die in den letzten 5 Jahren meine Wegbegleiter waren und mir entweder im Klinik-Team oder als Patient ihr Vertrauen geschenkt haben…Ich durfte so viel Lernen, wurde stark von meinen Weggefährten und Erfahrungen geprägt und bin unsagbar dankbar für diese Zeit!

Doch wenn ich es genau betrachte, sind es eigentlich nicht die „5 Jahre und 6 Monate Klinikalltag“ die mich prägten, lehrten und dankbar machen, es sind vielmehr die unzähligen, kurzen, flüchtigen Augenblicke.

Es sind interessante Gespräche, gemeinsames Lachen oder Mitfühlen, es sind Momente, in denen man verwöhnt wurde mit Verständnis, Wertschätzung und strahlenden Gesichtern, die stolz über ein gelungenes Rezept im Kochkurs oder ein neues Etappenziel auf der Waage waren.

Es sind viele wundervolle, einzelne, kostbare Erinnerungen, die ich für immer behalten darf, von denen ich niemals Lebewohl sagen muss.

In den letzten Tagen, als ich zwischen Freude und Wehmut schwankte, wurde mir einmal mehr bewusst, dass ich keine Angst vor Abschieden zu haben brauche, wenn ich weiterhin jeden Tag genau solche intensiven „Momente sammle“, wenn ich nicht auf den zukünftigen „Lückenfüller“ warte, die vielen Ziele, Pläne und Vorhaben, die erreicht werden möchten.

Wenn ich nicht nur den nächsten MeilenIMG_8237.JPGstein im Blick habe, sondern all die vielen einzelnen Schritte dazwischen!

Denn dann ist es gar nicht so wichtig, wann ich dort ankomme, dann verschwindet die Angst, auf meinem weiteren Weg etwas zu verlieren oder loszulassen, dann verdichtet sich die Erkenntnis, dass ich immer nur den jetzigen Moment zuzulassen brauche, indem ich ihn mit meiner vollen Aufmerksamkeit wahrnehme und im gleichen Augenblick mit einem weiteren, friedlichen Herzensmoment beschenkt werde.

Und so fühle ich heute plötzlich keinen Verlust mehr, sondern fühle mich willkommen!

Ich fühle mich willkommen vom Frühlingsgezwitscher der Vögel, vom Duft meines Kaffees, vom Wassertropfenspiel auf dem Blatt meiner Balkonpflanze, vom weichen Sitzkissen meines Stuhls, vom Nachgeschmack des leckeren Schokoladenei‘s in meinem Mund :-)

Ich wünsche mir von Herzen, dass auch Du Dich in jedem neuen Moment willkommen fühlst und somit keine Angst vor Abschieden zu haben brauchst.

Genieße das Neue – auch wenn es vielleicht in einer neuen Umgebung ist, wenn Dich neue Gesichter begleiten, wenn Du neue Dinge tust. Genieße die Magie des gegenwärtigen Moments, denn jeder Moment ist letztlich neu und ungewiss.

Selbst wenn Du weißt, dass Du nun gleich den selben (Heim-)Weg wie immer antrittst. Heute kannst Du ihm neuen Glanz verleihen, indem Du ganz bewusst Deine Umgebung wahrnimmst und achtsam Deinen Atem spürst. Denn atmen bedeutet leben und leben bedeutet Chancen-Reichtum – ganz unabhängig von äußeren Umständen. Zufriedenheit und Lebensfreude spürst Du nämlich IN Dir und nicht außerhalb von dir, stimmt’s? 😉

Da dieser Blogbeitrag nun schon vieeel länger geworden ist als gedacht, nur noch eine wichtige Sache:

Ich möchte Dich jetzt und hier dazu einladen, einmal so richtig tief ein- und auszuatmen und dich lebendig zu fühlen. Nimmst Du meine Einladung an?

Ich wünsche Dir einen lebendigen Tag!

„Lebensfreudige Grüße“
Deine Karima Stockmann

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  7 Kommentare zu “Abschied nehmen: vom Loslassen und Zulassen…”

  1. Meine Lieben, ich habe mich so sehr über all die lieben Worte und Wünsche, für Euer Verständnis und Euer „Teilhaben“ per Kommentar und E-Mail gefreut!
    Es zeigt einmal mehr, wie oft jeder einzelne von uns mit dem Thema Loslassen konfrontiert wird.
    Ich wünsche auch Euch allen eine große Portion Mut und Gelassenheit für Eure persönlichen Wegabschnitte.
    Ganz herzliche Grüße, Eure Karima

  2. Liebe Karima,
    ich finde Deine Seite ziemlich beeindruckend und werde Deine Gedanken zum Thema „Loslassen“ sicher häufiger lesen.
    Ich wünsche Dir einen ganz,ganz guten Start in Deine Selbstständigkeit;Du hast mit Deiner Einstellung die allerbeste Voraussetzung dafür geschaffen,weiterhin in Deinem Leben Schritte bewusst zu gehen.
    Viel Freude dabei,Judith

  3. Liebe K, ich wünsche Dir für Deinen neuen Weg alles, alles Gute, viele schöne Momente, Begegnungen und viele gelungene Atempausen.
    Liebe Grüße, Doris

  4. Hallo liebe Karima,

    wie schon ganz, ganz viele Male vorher, fühle ich mich auch heute wieder mit deinen Gedanken zum Thema „Abschied nehmen: vom Loslassen und Zulassen“ sehr verbunden. Auch für mich ist gerade dieses Thema seit Monaten sehr aktuell und mir ging es genauso, wie du in deinem Text geschrieben hast. Ich hab mich so gefürchtet vor der Zeit ohne dem Altbekannten…. dass ich sogar körperlich mit Herzrasen und Todesangst reagiert habe.
    Inzwischen ist die Veränderung eingetreten….und was soll ich sagen….ich hab mich völlig unnötig gefürchtet…es ist nichts von dem, was ich befürchtet habe, eingetreten….ja ich kann sogar sagen…ich fühle mich richtig gut damit….LOSGELASSEN zu haben.

    Selbstvertrauen, Achtsamkeit und vorallem Dankbarkeit hat mir das Loslassen erleichtert und das wünsche ich dir, für dein neues Abenteuer „Selbstständigkeit“ auch von ganzen Herzen, liebe Karima ;O)

    Mit herzlichen Grüßen,

    Carola

    P.S. Auch gewichtsmäßig habe ich losgelassen….im Moment sind es fast 20 kilo weniger….und ich lasse weiter los…versprochen!!

  5. Danke Karima,
    das hört und fühlt sich wunderbar an.
    Mir fällt dazu das Gedicht Stufen von Hermann Hesse ein…
    Dir alles Gute und viel Glück :-)
    Stefan

  6. Liebe Karima, ich wünsche Dir von Herzen alles Gute für Deinen neuen Weg. Danke für die immer wieder neuen Impulse, mit denen Du mich zum Nachdenken und Spüren bringst. Mir fehlt gerade noch der Mut diesen großen Schritt zu wagen, den Du jetzt gehst, aber ich vertraue auf den inneren Prozess. Einen guten Start morgen. Danke und liebe Grüße Karin

  7. Hallo Karima,

    hab Dank für deine Gedanken zu diesem Thema, mit dem ich mich immer wieder im Leben auseinandersetze und beschäftige.

    Für dich und dein Loslassen wünsche ich dir ganz viel Gutes und Kraft, und für den neuen Weg nur Freude und Erfüllung :-) lIebe und fröhliche Grüße Birgit

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